Station 6: Pilatus


Bibeltext: Matthäus 27,15-36

Es war üblich, dass der römische Statthalter jedes Jahr zum Passafest einen Gefangenen begnadigte. Dieser durfte von der Volksmenge bestimmt werden. Damals gab es einen berüchtigten Gefangenen, der Barabbas hieß. Als die Menschen versammelt waren, fragte Pilatus sie: „Wen von beiden wollt ihr? Wen soll ich euch freigeben: Barabbas oder Jesus, der Christus genannt wird?“ Denn er wusste, dass man ihm Jesus nur aus Neid ausgeliefert hatte. Während er noch auf dem Richterstuhl saß, ließ ihm seine Frau ausrichten: „Tu diesem Menschen nichts an! Er ist ein Gerechter. Seinetwegen hatte ich heute Nacht einen Albtraum.“ Doch die führenden Priester und Ratsältesten überredeten die Menschenmenge: Sie sollten von Pilatus verlangen, Barabbas zu begnadigen und Jesus hinrichten zu lassen. Da wandte sich Pilatus an die Menschenmenge und fragte: „Wen von beiden wollt ihr? Wen soll ich euch freilassen?“ Sie riefen: „Barabbas!“ Pilatus fragte sie weiter: „Was soll ich mit Jesus machen, der Christus genannt wird?“ Da schrien alle: „Ans Kreuz mit ihm!“ Er fragte sie: „Was hat er denn verbrochen?“ Aber sie schrien nur noch lauter: „Ans Kreuz mit ihm!“ Pilatus merkte, dass seine Versuche nichts bewirkten. Der Tumult wurde sogar immer noch größer. Da ließ er sich Wasser bringen und wusch sich vor der Volksmenge die Hände. Er sagte: „Mich trifft keine Schuld an seinem Tod. Das ist eure Sache.“ Darauf rief das ganze Volk: „Die Strafe für seinen Tod soll uns und unsere Kinder treffen!“ Daraufhin gab Pilatus ihnen Barabbas frei. Jesus aber ließ er auspeitschen. Er übergab ihn den Soldaten, damit sie ihn kreuzigten.


Bemerkungen:

Pilatus, eine tragische Figur. Es lag in seiner Macht, die Kreuzigung zu verhindern. Seine Frau bittet ihn, dass er Jesus kein Leid zu fügt. Doch für die Maschinerie der Ungerechtigkeit gibt es kein Halten mehr. Pilatus unternimmt halbherzige Versuche, das Unheil abzuwenden und will sich irgendwie aus der Verantwortung stehlen. Mit einer Schüssel voll Wasser und einem demonstrativen Händewaschen will er sich symbolkräftig aus der Affäre ziehen. Doch am Ende lässt er Jesus auspeitschen und übergibt ihn in die Hände der Soldaten, die ihn kreuzigen. Außer Pilatus waren auch noch andere an diesem unmenschlichen Treiben beteiligt. Das anonyme Volk lässt sich aufhetzen und wird zum unheimlichen Motor der Hinrichtung. Wer war die sogenannte Menschenmenge? Alte, die schon viel Not und Leid erlebt haben und vielleicht ein Gespür für das Unrecht hätten haben können? Junge, die sich mitreißen lassen haben? Waren es alles Unwissende? Waren darunter Menschen, die die Wunder und die Hilfe durch Jesus miterlebt haben?  Schließlich noch die römischen Soldaten, die mit grausiger Brutalität über einen hilflosen Jesus herfallen. Verächtlicher Spott, menschenverachtendes Draufschlagen auf einen Wehrlosen.


Impuls:

Wir lesen von den Menschen, die die Verurteilung angezettelt und durchgezogen haben. Von Jesus hören wir nichts. Er lässt die Menschen gewähren. Er verhindert das Unrecht nicht. Es war nicht Hilflosigkeit oder Machtlosigkeit. Jesus wusste, was er tat und warum er all diese Schmerzen ertrug. Es gab nur diesen einen Weg: Der Gerechte musste leiden und sterben. Nur durch sein Opfer, sein Blut, sein Sterben konnte die Schuld der ganzen Menschheit gesühnt werden.


Für Dich:

Jesus Christus erlitt diese Verurteilung und alles, was damit zusammenhing, für uns Menschen. Er gab sich völlig auf. Er gab sich völlig für Dich auf, damit Du leben kannst. Willst Du das glauben und annehmen?