Station 5: Verleugnung


Bibeltext: Matthäus 26, 69 – 75

Petrus saß draußen im Hof. Da kam ein Dienstmädchen des Hohepriesters auf ihn zu und sagte: „Du warst doch auch mit diesem Jesus aus Galiläa zusammen!“ Petrus stritt das ab vor allen, die dabei waren, und sagte: „Ich weiß nicht, wovon du da sprichst.“ Dann ging er in das Torgebäude. Dort sah ihn ein anderes Dienstmädchen. Sie sagte zu denen, die dort standen: „Der war auch mit diesem Jesus aus Nazaret zusammen.“ Aber Petrus stritt es wieder ab und schwor: „Ich kenne diesen Menschen nicht!“ Kurz darauf sagten andere, die dabeistanden: „Natürlich gehörst du auch zu denen. Deine Sprache verrät dich.“ Da legte Petrus einen Schwur ab: „Gott soll mich strafen, wenn ich lüge! Ich kenne diesen Menschen nicht.“ Im selben Moment krähte ein Hahn. Da erinnerte sich Petrus an das, was Jesus gesagt hatte: „Noch bevor der Hahn kräht, wirst du dreimal abstreiten, mich zu kennen.“ Und er lief hinaus und weinte heftig.


Bemerkungen:

Unaufhaltsam nimmt die Katastrophe ihren Lauf. Jesus wird wie ein Schwerverbrecher gefangengenommen und abgeführt. Die Jünger, also die Freunde und Vertrauten von Jesus, müssen nahezu tatenlos mitansehen, was mit ihrem Herrn geschieht. Eben waren sie noch beim Feiern des Abendmahls gesessen und jetzt ist alles außer Kontrolle. Etliche Jünger ergreifen scheinbar die Flucht und verstecken sich. Petrus versucht noch in vermeintlich sicherer Distanz mitzuverfolgen, was mit seinem Rabbi geschieht. Doch dann überschlagen sich für ihn die Ereignisse. Er wird erkannt! Ein-, zwei-, dreimal. Er hatte die Lage falsch eingeschätzt. Mit so einer Zuspitzung hatte er nicht gerechnet und in alldem hat er sich jedes Mal nicht als ein Jünger Jesu zu erkennen gegeben. Mit jedem neuen Erkannt werden, verstrickt er sich in eine noch radikalere Verleugnung. Es wirkt gerade so, als ob er erst „aufwacht“, als der Hahn kräht und jäh in die Wirklichkeit zurückgeholt wird. Dann bleibt ihm nur noch die Flucht. Schnell weg vom Ort des Versagens. Der Hahnenschrei lässt alle Dämme brechen und Petrus weint hemmungslos.


Impuls:

Ist es nicht viel zu voreilig und zu einfach,  Petrus als plumpen Verleugner abzuurteilen?
Er wollte Jesus nicht im Stich lassen. Er wollte nicht weglaufen. Er wollte nicht abtauchen. Am Ende half alles „Wollen“ nichts, sondern er verhedderte sich immer tiefer und schlimmer in die Verleugnung. Der Hahnenschrei hat ihn brutal an die Worte seines Herrn erinnert: „Ehe der Hahn kräht, wirst Du mich dreimal verleugnen!“ Das war eine Katastrophe für Petrus. Ein schmerzlicher Tiefpunkt. Das hemmungslose Weinen drückt seine komplette Niederlage und Verzweiflung aus. Er hatte Jesus dreimal verleugnet, nicht zu ihm gehalten, sich nicht auf seine Seite gestellt. Im Nachdenken wird schnell klar, dass es keine Extremsituation braucht, um sich nicht zu Jesus Christus zu bekennen. In vielen Alltagssituationen wäre es möglich, sich auf die Seite von Jesus Christus zu stellen, doch die Lippen bleiben stumm. Dabei wäre es so wichtig, dass die Menschen in unserem Umfeld von Jesus hören!


Für Dich:

Möglicherweise fallen dir Situationen ein, in denen Du lieber geschwiegen und Dich aus der Verantwortung gezogen hast. Es war Dir peinlich oder unangenehm, Dich auf die Seite von Deinem Heiland Jesus Christus zu stellen. Du erlebst Dich als jemanden, der ebenso verleugnet und versagt wie Petrus. Das tut schrecklich weh. Vielleicht stempelst Du Dich als hoffnungslosen Fall ab.
Bitte bedenke, dass Jesus Christus das nicht tut. Er hat Petrus vergeben und genauso vergibt er Dir, wenn Du ihn darum bittest.


Gebet:

Herr Jesus Christus, bitte vergib mir mein Schweigen, wo ich Dich hätte bekennen können!
Du weißt, wie leid mir das tut. Vielen Dank, dass ich Deine Vergebung in Anspruch nehmen und glauben kann.